
Es ist die Zeit, da die Menschen ihren Tag ausklingen lassen. Jeder auf seine Weise. Auch ich. Nun bin ich nicht der Typ, der sich ins allabendliche Getümmel stürzt, um Spaß zu haben. Das scheint ja heute die Devise vieler Menschen zu sein. Nein, ich mag es nicht laut und noch weniger mag ich sinnloses Geschwätz über Nebensächlichkeiten.
Und so sitze ich nun in einer natürlichen Perle, die eine lange Kette gastronomischer Verlockungen schmückt und lasse darin mit Gleichgesinnten meinen Tag ausklingen. Und ich habe Freude. Aber nicht an der Fülle der Dinge, sondern an einer angenehmen Art von anziehender, gemütlicher Bescheidenheit.
Das gedimmte Licht reicht, um mein Gegenüber zu erkennen. Ein Kissen auf dem urigen Holzstuhl fordert zum Bleiben auf. Und der massive, blanke Tisch macht den Eindruck, als sehne er sich nach der sprichwörtlichen Faust auf dem Tisch. Ringsum, in Nischen zurückgezogen, genießen einige Gäste die regionalen kulinarischen Köstlichkeiten. Dort ein sehr in sich gekehrter älterer Herr, dem ein Glas Bier für den ganzen Abend zu reichen scheint. Zuweilen bestimmen auch die häusliche Regierung oder der Geldbeutel den Durst. In einer anderen Ecke ein paar Leute im Gespräch, das als Gemurmel bei mir ankommt. Kein Getöse, kein Streit. Alles bewegt sich im Rahmen einer lebendigen Gemütlichkeit. Und mittendrin der Gastwirt, der in aller Ruhe und Gelassenheit, freundlich seiner Berufung nachkommt und seine Gäste bewirtet. Gastwirt eben. Gelegentlich kommt er an unseren Tisch, um einen Spaß loszuwerden, ist aber bald wieder weg, um die Wirkung seiner humoristischen Brocken auch an anderen Tischen zu testen. Ein Klima der Unaufgeregtheit, auch der Geduld und der Zufriedenheit sowieso.
Hin und wieder wird die Ruhe von schrillen Pfiffen durchbrochen. Die Graupapageien, die während der Öffnungszeiten zum lebenden Inventar gehören, sorgen dafür, dass niemand einschläft. Schnappen so manchen flotten Spruch auf, um ihn später an der unpassendsten Stelle einzuwerfen.
Zum zweiten Mal bin ich heute hier. Es wird nicht das letzte Mal sein. Dafür gibt es einen unspektakulären Grund: Ich fühle mich hier wohl.
Und das nicht nur wegen der nahezu familiären Atmosphäre, nein, auch weil mir als Gehbehinderter der Zugang erleichtert wird. Das hat mir die dauerhaft quälende Befürchtung genommen, auf unüberwindbare Hindernisse zu treffen, die schon mehrfach meine Vorhaben scheitern ließen. Dafür danke ich dem Wirt. Auch meine Gesprächspartnerin und mein Gesprächspartner tun alles, damit ich als nicht Einheimischer an diesen Treffen teilnehmen kann. Auch dafür mein Dank.
Und so sitzen wir in unserer Nische und reden sachlich über die Dinge, die im März dran sind. Über Veranstaltungen, deren Vorbereitung und Gestaltung. Wir reden, essen, trinken. Und wir lachen, weil wir Humor haben, ihn lieben und weil dieser nicht fehlen darf. Ich spreche vom wahren Humor, vom feinen, vom treffenden. Ich spreche nicht von denen, die meinen Humor zu haben. Von denjenigen, die glauben, mit ein paar Witzen, Marke unterhalb der Gürtellinie, ihrer chronischen Bedeutungslosigkeit entfliehen zu können. Das ist kein Humor, das ist traurig und gibt eher Anlass zum Weinen.
Es ist spät geworden. Die meisten Gäste sind bereits gegangen. Der Wirt setzt sich zu uns und gibt auch noch einen zum Besten.
Und während er kassiert, haut zum Abschied jeder noch einen Lacher raus.
So endet auch dieser, mein zweiter Abend in dieser Runde, mit schallendem Gelächter. Eine Gefühlslage, die Vorfreude auf das nächste Treffen macht und die uns, in Gedanken an einen schönen Abend, nach Hause begleitet.
Jürgen Engelmann
März 2023























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