Vergeltungsgedanken


(Petra Ewers, Textbild „Innehalten oder Vergeltung ?“, 2024)

Vergeltungsgedanken

.

Kein Vernünftiger straft

allein wegen eines

begangenen Unrechts.

Der Vernünftige straft,

um künftige Gefahr

zu verhüten.“

.

(Lucius Annaeus Seneca)

.

Fragen nach einem

posttraumatischen

Vergeltungssinn

.

Wenn ein Augenblick

psychisch-physischer

Gewalt alles verändert,

weicht die bisher

gelebte Sicherheit einer

nicht kontrollierbaren

Unsicherheit.

Angst wird zu

schweigender Panik,

geboren aus der

Möglichkeit

ohnmächtigen

Ausgeliefertseins.

Und ich frage mich nach

einem Leben danach.

.

Wie soll und kann es

weitergehen im

labyrinthenen

Emotions-Strudel

erfahrener Willkür?

.

Ließe eine Waffe

mich freier atmen,

würde ich mich

dadurch

sicherer fühlen,

zumindest für

einen Moment?

.

Aber würde ich sie

dann nicht auch

benutzen,

vielleicht zu schnell

in Angst und

blinder Wut über

mein durchlebtes

Unrecht?

.

Würde ich zweifeln

an der Frage

tatsächlicher

Notwehr

oder sogar

verzweifeln am

Überschreiten

der Grenze

zur Selbstjustiz?

.

Würde ich verkraften

eine „ausgleichende“

Gerechtigkeit als

Selbsthilfe und diese

mein Inneres gegen

eine lebenslange

Trauma – Einsamkeit

stabilisieren?

.

Würde ich

dadurch einen

für mich gerechten

Abschluss finden

und weiterleben

im Leben,

wenn auch

anders als zuvor?

.

Gedanken für

ein Danach

.

Ich weiß,

ich war, bin

nicht schuld,

an dem, was

mir geschah.

Ich weiß,

die Zeit heilt

nicht alle Wunden.

.

Werde ich

stark genug sein

aus meinem

Krisen-Sturz

Kraft zu schöpfen,

zu leben bewusst

meines Augenblicks

auch ohne Rache

um jeden Peis,

ohne Urteil

und Vergeltung?

.

(Petra Ewers, Gedicht „Vergeltungsgedanken“ aus

ihrem Buch „Noir“, 2019)

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