Der Werdegang des Ikarus?

Der Werdegang des Ikarus?

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Der Homunkulus Ikarus erhob seine Schwingen,

Um das hohe Lied der Freiheit zu singen,

Der Lerche gleich,

In luftiger Höhe,

Verspürt er nicht die erdige Nähe?

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Es fallen die Schleier,

Gespinst geht verloren,

Ikarus wird als Raupe neu geboren,

Die Metamorphose erfüllt ihren Zweck,

So kriecht die Raupe langsam weg.

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Oder entpuppt er sich als Fledermaus,

Auf einem verblühten Blumenstrauß,

geworfen über die Schulter hinweg?

Nur wer wird sich bücken,

Erfüllen den Zweck?

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Der Zensor nun die Zensur beklagt,

So seinen Abgang zu gestalten wagt,

Er kann es begründen,

Wird Gründe finden,

Als Teelichthalter in der Zukunft verschwinden?

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Eine interessante Geschichte,

so zum Tag, am Morgen,

Verbreitet Schmunzeln

Und Stirne runzeln,

In Gedanken befreiende Sorgen!

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Die Metamorphose eines Gedichts, es wandelt sich, oder wird weiter entwickelt es verändert sich nicht, es wird verändert. Was nicht unbedingt ungewöhnlich, wird doch gelegentlich im Affekt geschrieben, es kann auch Intuition genannt werden, später weiter darüber nachgedacht und die eine und andere Änderung angebracht, tritt doch so manch Erkenntnis erst im Zeitverlauf in Erscheinung. Das dabei auch der Sinn etwas verändert werden kann, liegt in der Sache selbst. Im Allgemeinen fällt so etwas nicht auf, da in der Regel geschriebenes oft liegen gelassen wird und später weiterbearbeitet. So vergeht Zeit, es wird geändert, es ist eine Frage der Erkenntnis, welche dazu beiträgt die eine oder andere Formulierung, das eine und andere Wort zu ändern.

Und so wurde aus der „Entpuppung des Ikarus“, der „Werdegang des Ikarus“, beides mit Fragezeichen veröffentlicht, wobei zweite Überschrift, die erste Variante gewesen.

Ikarus, der Antike entlehnt, fliehen möchte er mit seinem Vater aus der Gefangenschaft, wozu der Vater Flügel schuf und den Sohn vor dem Abflug ermahnte nicht zu hoch, oder zu tief zu fliegen. Ikarus in seinem Übermut flog der Sonne entgegen, so dass das Wachs schmolz und er ins Meer stürzte. So einst die antike Vorstellung von der Nähe zur Sonne. Heute wissen wir, dass es erst einmal mit zunehmender Höhe kälter wird und die Sonne doch sehr, sehr weit weg ist. Das Ergebnis seines übermütigen Fluges wäre allerdings kein anderes gewesen.

Das einende ist die Motivation und das andere ist die Illusion welche zur Tat anregt, nicht die Illusion fliegen zu können, sondern in unbekannte Höhen ohne notwendigem Wissen vorzustoßen. Es sind Metapher wie sie das Leben schreibt, ein durchaus realistisches Ziel wird nicht erreicht, kann nicht erreicht werden, weil die eingesetzten Mittel untauglich, weil es an Wissen mangelt, weil notwendige Erkenntnis nicht errungen, weil das Ziel nicht erkannt, oder über diesen hinaus gestrebt wurde.

So wird in der ersten Strophe der Frieden durch Freiheit ersetzt, nicht weil Freiheit (in vulgärer Verwendung) vor Frieden, sondern weil Freiheit (im weltanschaulich materialistischen Sinn) als Einsicht in die Notwendigkeit erkannt und in dem der Notwendigkeit entsprechendes Handeln besteht. Letztlich ist die Erfahrung eine Quelle der Erkenntnis und Handlungen entgegen erkannter Notwendigkeit in der Regel nicht mit dem erwarteten Ergebnis enden.

Ikarus stützte ab und starb im Meer, welches nach ihm benannt, andere zerschellen am Boden der Realität, der objektiven und ziehen sich, die verschiedensten Gründe nehmend, aus ihrem Vorhaben und Verantwortung zurück. Wieder andere versuchen ihr Ansinnen anderen nahezubringen, damit diese weiterführen, woran sie gescheitert. Dazu wird gelegentlich in den Spiegel geschaut und eigenes Vorgehen auf andere vorwurfsvoll übertragen, vielleicht in der Hoffnung sich von eigener Verantwortung zu befreien, um angepasst in eine ungewisse Zukunft zu verschwinden.

Es ist Sinnvoll darüber nachzudenken, um zu erkennen, welche Motivation hinter der Tat steckt, welche objektive Gesetzmäßigkeit zum Scheitern führte und welche Folgen damit verbunden. Am Morgen liegt der Tag noch vor einem …

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