Es gibt Tage, da uns nur die Kirchturmglocke daran erinnert, dass die Zeit nicht stehengeblieben ist. Sie bleibt nie stehen, die Zeit. Alles ist wie immer.
Wenn der Tag seine Fensterläden schließt, wenn der Abend die Sicht verschluckt und wenn dem stürmischen Wind die Puste ausgeht und er nur noch kleinlaut säuselt, dann steht wieder eine Nacht vor der Tür, so, wie an jedem Abend eine Nacht vor der Tür steht. Wenn die Sterne ihre Positionslichter zünden und der Mond die Wolken teilt, um seinen Dienst für die Verliebten zu beginnen, dann beginnt auch meine Zeit – Schreibzeit.
Die Nacht hat ihr schwarzes Tuch sanft über das Land gelegt, auch über mein altes Fachwerkhaus. Durchs Butzenfenster schickt der Mond geviertelt seinen Gruß in meine Schreibkammer. Die alte eiserne Tischleuchte versucht vergeblich meinen Schatten korrekt auf die große Schranktür zu legen. Ich bin umzingelt von Regalen und Schränken, an die ich herankomme, ohne aufstehen zu müssen. Ökonomie durch Bequemlichkeit. Überall Stapel aus Büchern und Zeitschriften, garniert mit Notizfetzen. Meine Welt auf Papier. Der Schreibtisch Zigarettenglut befleckt. Brandmale als Erinnerung an den Sekundenschlaf. Und während ich in die Nacht schaue und Gedanken ordne, trägt mich ächzend mein greiser, morscher Korbsessel aus dem Sperrmüll, als wolle er mir sagen, es geht auch bequemer, alter Mann.
Autoren aus der Region lesen Kurzgeschichten, Gedichte, Aphorismen, Novellen, Aufsätze, Essays etc. Nicht jeder Autor in Quedlinburg und Umgebung ist als solcher bekannt, manch eine, manch einer schreibt für sich, oder trägt nur im kleineren Kreis vor, andere wiederum haben Bücher geschrieben und veröffentlicht, wieder andere veröffentlichen hauptsächlich im Internet, auf eigenen oder fremden Seiten. Und so finden sich allgemein bekannte und unbekannte Autoren zusammen, die Interesse habe, gemeinsam ein breiteres Publikum mit ihren Arbeiten bekannt zu machen und Sprache zu pflegen. Wer gern schreibt, sein Geschriebenes Vorlesen oder -tragen möchte, kann sich gern melden und sich mit seinen eigenen Werken beteiligen.
Veranstalter: Soziokulturelles Zentrum Oz e.V. Quedlinburg, IG Kraftwerk Poesie Quedlinburg,
Informationen und Anmeldung über: kraftwerkpoesie@web.de
Eintritt frei, um eine Spende zur Förderung des Literaturprojektes Lokale Lesung in Quedlinburg wird gebeten.
Es ist die Zeit, da die Menschen ihren Tag ausklingen lassen. Jeder auf seine Weise. Auch ich. Nun bin ich nicht der Typ, der sich ins allabendliche Getümmel stürzt, um Spaß zu haben. Das scheint ja heute die Devise vieler Menschen zu sein. Nein, ich mag es nicht laut und noch weniger mag ich sinnloses Geschwätz über Nebensächlichkeiten.
Und so sitze ich nun in einer natürlichen Perle, die eine lange Kette gastronomischer Verlockungen schmückt und lasse darin mit Gleichgesinnten meinen Tag ausklingen. Und ich habe Freude. Aber nicht an der Fülle der Dinge, sondern an einer angenehmen Art von anziehender, gemütlicher Bescheidenheit.
Das gedimmte Licht reicht, um mein Gegenüber zu erkennen. Ein Kissen auf dem urigen Holzstuhl fordert zum Bleiben auf. Und der massive, blanke Tisch macht den Eindruck, als sehne er sich nach der sprichwörtlichen Faust auf dem Tisch. Ringsum, in Nischen zurückgezogen, genießen einige Gäste die regionalen kulinarischen Köstlichkeiten. Dort ein sehr in sich gekehrter älterer Herr, dem ein Glas Bier für den ganzen Abend zu reichen scheint. Zuweilen bestimmen auch die häusliche Regierung oder der Geldbeutel den Durst. In einer anderen Ecke ein paar Leute im Gespräch, das als Gemurmel bei mir ankommt. Kein Getöse, kein Streit. Alles bewegt sich im Rahmen einer lebendigen Gemütlichkeit. Und mittendrin der Gastwirt, der in aller Ruhe und Gelassenheit, freundlich seiner Berufung nachkommt und seine Gäste bewirtet. Gastwirt eben. Gelegentlich kommt er an unseren Tisch, um einen Spaß loszuwerden, ist aber bald wieder weg, um die Wirkung seiner humoristischen Brocken auch an anderen Tischen zu testen. Ein Klima der Unaufgeregtheit, auch der Geduld und der Zufriedenheit sowieso.